Wirtschafts- und Sozialkunde
3. Ausbildungsjahr
Kunststoff- und Kautschuktechnologe/-in

Kreislauf statt Kollaps: Nachhaltigkeit in der Kunststofftechnik

Arbeitsblatt zu Kunststoffrecycling: werkstoffliches, rohstoffliches und energetisches Recycling vergleichen, Kennzeichnung der Recyclingcodes zuordnen, Kreislaufwirtschaft im Betrieb beurteilen.

Material-Details

6 Aufgaben
Inkl. Infoblatt
Inkl. Lösungen
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Inhalte des Arbeitsblatts

Übersicht aller Aufgaben und Lesetexte aus diesem Materialpaket.

Infoblatt / Fachtext

1. Einführung: Nachhaltigkeit in der Kunststofftechnik

Als angehende Kunststoff- und Kautschuktechnologen arbeitet ihr mit einem der vielseitigsten Werkstoffe unserer Zeit. Doch mit großer Vielseitigkeit kommt auch große Verantwortung. Kunststoffe stehen oft in der Kritik, die Umwelt zu belasten. Deshalb ist es für euch und euren Ausbildungsbetrieb entscheidend, die Prinzipien der Nachhaltigkeit und des Recyclings zu verstehen. Es geht nicht nur darum, Abfall zu vermeiden, sondern auch darum, Ressourcen zu schonen, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und die Zukunftsfähigkeit eures Berufs und eures Unternehmens zu sichern.

2. Die Grundlagen: Kreislaufwirtschaft und das Drei-Säulen-Modell

Nachhaltigkeit ist mehr als nur Umweltschutz. Sie stützt sich auf drei gleichberechtigte Säulen: **Ökologie (Umwelt):** Der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Reduzierung von Emissionen und die Förderung der biologischen Vielfalt. Für die Kunststoffbranche bedeutet das z.B. die Entwicklung von Recyclingverfahren und den Einsatz von biobasierten Kunststoffen. **Ökonomie (Wirtschaft):** Langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein, ohne die ökologischen und sozialen Grundlagen zu zerstören. Ein Unternehmen, das recycelte Kunststoffe (Regranulate) einsetzt, kann Kosten sparen und neue Märkte erschließen. **Soziales (Gesellschaft):** Gerechte Arbeitsbedingungen, Sicherheit am Arbeitsplatz und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Dazu gehört auch der Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden im Umgang mit Chemikalien und Recyclingmaterialien, geregelt z.B. im Jugendarbeitsschutzgesetz. Das Ziel ist die **Kreislaufwirtschaft**. Anders als in der „Wegwerfwirtschaft“, wo Produkte nach der Nutzung zu Abfall werden, sollen in der Kreislaufwirtschaft Rohstoffe so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf gehalten werden. Kunststoffe werden gesammelt, sortiert, aufbereitet und als Rohstoff für neue Produkte wiederverwendet.

3. Rechtliche Rahmenbedingungen im Ausbildungsalltag

Auch im Bereich Nachhaltigkeit und Recycling gibt es klare Regeln, die für euch als Auszubildende wichtig sind. | Gesetz / Verordnung | Relevanz für die Ausbildung | |---|---| | **Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG)** | Das zentrale Gesetz in Deutschland. Es legt eine Abfallhierarchie fest: 1. Vermeidung, 2. Wiederverwendung, 3. Recycling, 4. sonstige Verwertung (z.B. energetisch), 5. Beseitigung. Es verpflichtet Hersteller, Verantwortung für ihre Produkte über den gesamten Lebensweg zu übernehmen. | | **Berufsbildungsgesetz (BBiG)** | Euer Ausbildungsvertrag verpflichtet den Betrieb zur Vermittlung von Kenntnissen zum Umweltschutz (§ 14 BBiG). Ihr habt die Pflicht, sorgfältig mit Maschinen und Materialien umzugehen. | | **Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)** | Schützt euch vor Überlastung und gefährlichen Arbeiten. Beim Umgang mit bestimmten Recycling-Stoffen oder Chemikalien gelten besondere Schutzmaßnahmen. | | **Sozialgesetzbuch (SGB VII)** | Regelt die gesetzliche Unfallversicherung. Die zuständige Berufsgenossenschaft (z.B. die BG RCI) erlässt Unfallverhütungsvorschriften, auch für das sichere Handling von Recyclingmaterial. |

4. Betriebliche Mitbestimmung: Deine Stimme für mehr Nachhaltigkeit

Als Auszubildende könnt ihr über eure Vertreter Einfluss nehmen: **Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV):** Die JAV vertritt die Interessen der jungen Beschäftigten. Sie kann beim Betriebsrat beantragen, dass Themen wie Mülltrennung am Arbeitsplatz, ressourcenschonende Produktionsverfahren oder Schulungen zum Thema Nachhaltigkeit auf die Tagesordnung kommen. **Betriebsrat (BR):** Der Betriebsrat hat bei vielen Themen Mitbestimmungsrechte, z.B. bei Regelungen zum Arbeits- und Umweltschutz im Betrieb (§ 87 BetrVG). Er kann Betriebsvereinbarungen aushandeln, die Nachhaltigkeitsziele festschreiben.

5. Das musst du wissen

* Nachhaltigkeit steht auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. * Die Kreislaufwirtschaft will Rohstoffe im Kreislauf halten und Abfall minimieren. * Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ist die wichtigste rechtliche Grundlage für das Recycling in Deutschland. * Als Azubi hast du das Recht und die Pflicht, dich aktiv am betrieblichen Umweltschutz zu beteiligen. * Die JAV und der Betriebsrat sind wichtige Ansprechpartner, um Nachhaltigkeit im Unternehmen voranzubringen.

Aufgabenstellung (6 Aufgaben)

  1. Beschreibe das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, indem du die fehlenden Begriffe in die Lücken einsetzt: Die drei Säulen sind ___, Ökonomie und Soziales.
  2. Die gesetzliche Unfallversicherung, vertreten durch die Berufsgenossenschaft, ist nur für Arbeitsunfälle zuständig, aber nicht für die Prävention von Berufskrankheiten, die durch den Umgang mit Recyclingmaterialien entstehen können.
  3. Ordne die folgenden Schritte des Kunststoffrecyclings in die logisch korrekte Reihenfolge, beginnend mit der Sammlung.
    • Sammeln und Sortieren der Kunststoffabfälle
    • Zerkleinern, Waschen und Trocknen des Materials
    • Aufschmelzen und Herstellung von neuem Granulat (Regranulat)
    • Verarbeitung des Regranulats zu neuen Kunststoffprodukten
  4. Erläutere, welche zentrale Verpflichtung das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) den Herstellern von Kunststoffprodukten auferlegt.
  5. Ordne den Akteuren der betrieblichen Mitbestimmung ihre jeweilige typische Aufgabe im Kontext von Nachhaltigkeit zu.
    • Auszubildende/r
    • Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)
    • Betriebsrat (BR)
  6. Beurteile aus Sicht der drei Säulen der Nachhaltigkeit, welche Faktoren die Geschäftsführung bei ihrer Entscheidung berücksichtigen sollte. Begründe dein Urteil.

    Die Geschäftsführung deines Ausbildungsbetriebs steht vor einer Entscheidung: Sie kann für ein neues Produkt entweder günstigeres, neu produziertes Kunststoffgranulat aus Rohöl verwenden oder 15% teureres, aber hochwertiges Regranulat aus recyceltem Kunststoff. Die Qualität beider Materialien ist für das Endprodukt identisch.

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